Kontext: Der Laizismus in Frankreich

Das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ steht in der langen Tradition des französischen aufklärerischen, antiklerikalen und vor allem laizistischen Denkens. Der Laizismus – die religiöse Neutralität des Staates – ist fester Bestandteil der französischen Gesellschaft. Seit 1905 ist er auch gesetzlich festgelegt. Laizität ist somit ein Grundprinzip der Französischen Republik.

Gott der Schule verwiesen.
„Du bleibst 3.000 Jahre sitzen“

Um die Ursprünge des Laizismus zu verstehen, ist ein Blick in die französische Geschichte von Nöten. Die Auseinandersetzung zwischen Laien und Klerikern hat ihren Ursprung in der französischen Revolution: Der Katholizismus als einzige Religion im Königreich Frankreich wurde zunehmend in Frage gestellt. In der Folge wurden die Privilegien des Klerus aufgehoben, und die Idee einer Trennung von Staat und Kirche gewann an Popularität. Schon zwischen 1870 und 1890 traten erste Gesetze zur Säkularisierung in Kraft. Dabei ging es insbesondere um die Etablierung eines religionsfreien Schulunterrichts und die Entfernung religiöser Symbole aus den Klassenräumen.

Im Jahr 1905 wurde schließlich das „Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat“ verabschiedet. Darin heißt es: „Keine Religion wird von der Republik anerkannt, entlohnt oder subventioniert.“ Seit 1946 ist der Laizismus im ersten Artikel der Verfassung verankert: „Frankreich ist eine unteilbare, laizistische und soziale Republik.“

Quo vadis, Laizität? Die Laizität im Unternehmen, in der Schule, in der Welt…

Mit der Zeit bildeten sich einige Ausnahmen heraus. So entstanden private konfessionelle Schulen und Sonderregelungen für die Departements Elsass und Mosel. Die französische Gesellschaft wandelte sich und der Laizismus „à la française“ geriet immer häufiger unter Druck: Auf Debatten um das öffentliche Tragen des Kopftuchs ab 1989 folgte im Jahr 2004 das Verbot religiöser Symbole wie der Kippa, des Kopftuchs oder großer Kreuze in öffentlichen Bildungseinrichtungen. Die Trennung zwischen persönlichem Glauben und staatlicher Laizität findet seither immer neue Reibungspunkte. Forderungen nach einer Einrichtung neuer gesetzlicher Feiertage, geschlechtergetrenntem Sportunterricht oder angepasstem Kantinenessen befeuern die öffentlichen Debatten immer wieder aufs Neue.

Elsass-Mosel, immer noch von Gott besetzt.
„Der Krieg, großes Unglück!“

Ein gesetzliches Verbot der Gotteslästerung – Blasphemie – gibt es im säkularen Frankreich (außer in den Departements Elsass und Mosel) seit 1789 nicht mehr. Durch die Einführung der Religions- und Meinungsfreiheit in den Artikeln 10 und 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und letztlich in einem Gesetz zur Pressefreiheit von 1881 wurde die Strafbarkeit der Blasphemie endgültig abgeschafft. Weiterhin strafbar sind jedoch die Beleidigung einer Gruppe aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit bzw. deren persönlicher und direkter Angriff sowie Volksverhetzung – also Aufhetzung zum Rassen- und Religionshass. Mit diesem Gesetzeskonstrukt schützt der Staat Frankreich seine Bürger, nicht jedoch deren Religion.

 

 

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