Charb

Stéphane Charbonnier, genannt Charb, war seit 2009 Chefredakteur von „Charlie Hebdo“. Er prägte das Magazin nicht nur mit seinen Karikaturen, sondern war auch Hauptansprechpartner und Kommunikator.

Charbonnier wurde 1967 in Conflans-Sainte-Honorine geboren. Er besucht das Collège des Louvrais in Pontoise, wo – beeinflusst von den bandes dessinées – erste Karikaturen für die Schülerzeitung entstanden. 1991 fand er, nach einer abgebrochenen Ausbildung, Anstellung beim Satiremagazin „La Grosse Bertha“, das sich inhaltlich gegen den Golfkrieg wendete. Hier lernte er den Journalisten Philippe Val kennen, mit dem er 1992 zu „Charlie Hebdo“ wechselte. 2009 folgte er ihm als Chefredakteur von „Charlie Hebdo“.

Seine Karikaturen erschienen auch in anderen Magazinen und Zeitungen wie „Marianne“, „L’Humanité“, „L’Écho des savanes“, „Télérama“, „Fluide glacial“ (hier war er mit einer wöchentlichen Rubrik „La fatwa de l’Ayatollah Charb“/“Die Fatwa des Ajatollah Charb“ oder „Marcel Keuf“ vertreten), „L’Humanité“ oder „Nouvel Observateur“.

Typisches Merkmal seiner Zeichnungen war die meist gelbe Hautfarbe seiner Figuren. Thematische Schwerpunkte setzte er in den Bereichen Atheismus, Antifaschismus und Laizität – für Charbonnier ein wesentliches Element der französischen Identität. Dabei richtete sich seine Kritik gegen jede Form religiösen Fanatismus‘. Mit seinen oftmals radikalen Karikaturen lotete er wie kaum jemand anderes in Frankreich die Grenzen der Pressefreiheit aus: „Wir gehen so weit, wie es das Gesetz erlaubt.“ Charbonnier engagierte sich in der „Front de gauche“, einem Zusammenschluss kommunistischer Parteien.

Nach dem Brandanschlag auf das Redaktionsgebäude 2011 lebte Charbonnier unter Polizeischutz. Trotz der Bedrohung setzte er sich für eine bedingungslose Presse- und Meinungsfreiheit ein. „Le Monde“ gegenüber äußerte er sich 2012: „Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keinen Kredit. Es ist vielleicht ein wenig schwülstig, was ich jetzt sage, aber ich ziehe es vor, aufrecht zu sterben als auf Knien zu leben.“ 2013 brachte „Charlie Hebdo“ den von ihm gezeichneten Comic „Das Leben Mohammeds – Anfänge eines Propheten“ heraus, eine fiktive Biografie des Propheten. In „Charlie Hebdo“ veröffentlichte Charbonnier die wöchentliche Kolumne „Charb n’aime pas les gens /Charb mag die Leute nicht“.

Stéphane Charbonnier starb am 7. Januar 2015 beim Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“. Er galt als das Hauptziel des Anschlags. Am selben Tag war in der aktuellen Ausgabe des Satiremagazins eine seiner letzten Karikaturen erschienen – mit der Überschrift „Noch keine Attentate in Frankreich“ und der gezeichneten Antwort eines bewaffneten Islamisten: „Warten Sie ab. Man hat bis Ende Januar Zeit, seine Festtagsgrüße auszurichten.“

Noch kurz vor seiner Ermordung schrieb er ein Buch, in dem er den Vorwurf der Islamfeindlichkeit zurückweist und mit den Medien abrechnet. Das französische Nachrichtenmagazin „L’Obs“ (ehemals „Le Nouvel Observateur“) veröffentlichte posthum Auszüge aus dem Buch, an dem Charb noch zwei Tage vor seinem Tod gearbeitet haben soll.

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http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/charlie-hebdo-chef-uebt-medienkritik-in-posthum-veroeffentlichtem-buch-a-1028808.html

http://www.zeit.de/kultur/2015-01/charlie-hebdo-charb-geschichte

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